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Stil: Gitarren-Meister
Fusion/Hard Rock
Rico Florczak – Faces
(62:42, Gecko Records, 2008)
Freunde der
E-Gitarren dominierten Musik mit der Neigung, die technischen
Versiertheiten des Künstlers mindestens genauso zu beachten wie
dessen Musik, sollten hier dann mal inne halten. Denn bei Rico
Florczak handelt es sich um einen deutschen Musiker, der auch
als Dozent für E-Gitarre an der Musikfabrik Schule in
Greifswald/MV lehrt. Wenn ihr jetzt auch noch die Musik und
Fingerfertigkeit von bekannteren Gitarristen wie JEFF BECK, JOE
SATRIANI oder MICHAEL LANDAU mögt, gibt es eine große
Wahrscheinlichkeit, dass ihr Gefallen an „Faces“ findet.
Die 14
Kompositionen sind bis auf zwei Stücke reine Instrumentalnummern
und tief in der Fusion Musik und etwas im Hard Rock
verwurzelt.Rico Florczak spielt neben allen Gitarren
(vornehmlich Ibanez) auch einige Keyboard-Parts, übernimmt den
Lead Gesang und ist für die Sample-Programmierungen
verantwortlich. Unterstützt wird er zum einen vom Tausendsassa
Ulf Jacobs am Schlagzeug (bis auf ein Stück), der auch an der
Greifswalder Musikschule lehrt, drei Solo-CDs veröffentlicht hat
und bei mehreren Bands/Projekten mitwirkt, u.a. den Mainzer
Retroproggern ARGOS. Zum anderen bedient Michael (Baggens)
Lahmann die Bassgitarre, der ebenfalls an der Greifswalder
Schule lehrt und bei verschiedensten Bands/Projekten im Genre
des Jazzrock bzw. Jazz mitwirkt. Zusätzlich gibt es noch einige
Pianoklänge und Gesangseinlagen von Mike Hartmann und
Soraya-Senna zu hören.
Die CD endet
trotz der Vordergründigkeit der Gitarre nicht wie bei manchen
Gitarrenheroen nach einiger Laufzeit in eine gewisse Monotonie.
Rico Florczak gelingt es, die Kompositionen so geschickt zu
strukturieren, dass durch Tempo- und Stimmungswechsel, harter
sowie softer Gitarrentöne bei virtuosem als auch gefühlvollem
Spiel und ansprechender Rhythmuswechsel die Hörlaune erhalten
bleibt. Ulf Jacobs trägt mit seinem abwechslungsreichen und
präzisen Schlagzeugspiel ebenfalls zur Lebendigkeit von „Faces“
bei, die auch vom Bassisten bestens unterstützt wird. Insgesamt
handelt es sich hier um eine feine gitarrenlastige Produktion
aus Deutschland, die es lohnt, entdeckt zu werden. Klangauszüge
gibt es bei Myspace unter „ricogit“.
WE 11
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"Faces" ist Ricos erstes Soloalbum. Der von
der Insel Rügen stammende und mitten im grünen
Mecklenburg-Vorpommern wohnende Gitarrist verblüfft mit
phantasievoller Handschrift als Komponist und Arrangeur, und
zuerst als begnadet versierter und phantasievoller Gitarrist.
Seine Vorbilder sind technische Handwerker wie Andy Timmons, Joe
Satriani, Steve Vai, Steve Lukather und Jeff Beck, denen er
stilistisch nicht nacheifert. Rico hat einen eigenen Stil, einen
eigenen Sound.
Die 14 überwiegend instrumentalen Songs seines Debütalbums sind
im weiten Feld zwischen Jazzrock und Hardrock angesiedelt.
Einige Songs sind balladesk angelegt, die meisten rocken jedoch
erstaunlich komplex und angenehm hart.
Als Mitstreiter für "Faces" konnte er seine Kollegen und Freunde
aus der Greifswalder Musikfabrik gewinnen. Michael "Baggens"
Lahmann spielt Bass, Ulf Jacobs Schlagzeug. Einige Gäste haben
in einzelnen Songs mitgearbeitet, so Antonio "Giarno" Kühn (dr),
Mike Hartmann (p), Soraya-Senna (p, voc) und Jordan-Rick (voc).
Rico selbst hat neben der Einspielung aller Gitarrenspuren
Samples programmiert, Keyboard gespielt und singt in den beiden
Gesangsstücken.
Die 14 Songs auf "Faces" sind am Rechner komplett vorproduziert
worden. Sämtliche Kompositionen und Arrangements stammen von
Rico. Die Einspielung seiner Mitstreiter hat gewiss einige
weitere Ideen und dynamische Licks eingebracht, das Gros aller
Ideen und Facetten ist jedoch seine Arbeit. Zudem hat Rico die
CD produziert, aufgenommen, in Zusammenarbeit mit Baggens
gemixt, der das Mastering übernommen hat.
Rico zeigt sich als technisch versierter, inspirierter
Gitarrist. Er kann aggressiv dynamisch rocken, weiß in den
Balladen unsentimental und kraftvoll zu spielen und beweist ein
perfektes Gespür für leidenschaftliche Soli. Das ganze Album hat
eine schier unglaubliche Ideenfülle und vitalen Detailreichtum.
Manches Stück zeigt sich Old School Jazzrock inspiriert, andere
sind ganz modern, haben funky Sounds, Samples oder sind mit
witzigen Gesangsphrasen angereichert ("Playground"). Auffallend
der melodische Reichtum und die komplexe Vertracktheit der
Songs.
Das Rhythmusduo arbeitet technisch versiert und virtuos. Baggens
erweist sich als melodischer Bassist. Wie Rico und Ulf ist er
begehrter Studiomusiker, hat an CD-Aufnahmen und
Theaterproduktionen mitgearbeitet. Ulf, als dritter
Musikfabrik-Lehrer (Schlagzeug) spielt zwar nach Ricos Vorgaben,
seine Handschrift ist dennoch herauszuhören, sein Vorbild Phil
Collins steckt ihm im Blut, wie bereits auf seinen Solo-CDs zu
hören ist.
Mein persönlicher Lieblingssong ist "Another Mind", zarte Lyrik
und komplexer Jazzrock auf leicht metallischem Unterton gehen
sehr stimmungsintensiv und kraftvoll ineinander auf, der Song
ist ungemein vital, vertrackt und perfekt ausgewogen. Das
exzellente fünfte Stück "So Blue" ist zu Beginn mit einem
Computerrhythmus unterlegt. Die Ballade findet mit den
versteckten und offenbaren Gitarrensounds in dieser sensiblen
Stille zu hinreißendem Ausdruck, bis Ulf schließlich mit dem
Schlagzeug einsteigt und progressiver Bombast für erregte
Emotionen sorgt.
Was bleibt zu sagen: tolle Platte! Völlig überraschend und von
enormer Qualität. Bleibt zu hoffen, dass Rico seine Band
einpackt und Konzerte gibt!
VM
Ragazzi - Review September 2008
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